Geschichtliches

Unser Dorfchronist Alois Groß hat eine Aufnahme vom Musikverein Leudersdorf aus einem Bildband von Gerta Hilgers aus dem Jahr 1928 gefunden.

„Es zeigt den Hochzeitszug von Hubert und Veronika Müller. Der kleine Mann an der Trommel ist mein Vater Nikolaus. Interessant am Straßenrand gegenüber Kleins ein Haufen Schanzen, wohl für die Befeuerung des Backofens und Teil eines Kieshaufens, weil wohl ein Straßenneubau anstand.“

Alois Groß, Juli 2015

Musikverein Leudersdorf

Die Anfänge des Musikvereins Leudersdorf gehen auf das Jahr 1921 zurück, als sich zunächst nur zwei musikinteressierte junge Männer – Dionysius Klein (Piston) und Josef Mauer, Nollenbach (Trompete) zusammenfanden und sich mit zielbewußter Energie die ersten musikalischen Kenntnisse beibrachten. Nach einiger Zeit gesellten sich noch 3 Männer hinzu, nämlich Johann Pick (Trompete), Nikolaus Pick (Tenorhorn) und Peter Blonien (Baß). Dionysius Klein, inzwischen als Musiker in Köln tätig, brachte ihnen die Grundbegriffe der Musik bei und besorgte Noten. Die Instrumente wurden von ihnen selbst unter grössten Schwierigkeiten angeschafft und bezahlt. Ihren ersten Applaus erhielten sie zur Kirmes 1923, wo sie zum Tanz aufspielten. So fanden bald noch mehr Männer Spass an der Blasmusik, Nikolaus Nelles, Peter Müller, Peter Heinz, Josef und Christoph Meier, Peter und Johann Lücker, Martin Mauer, Nikolaus Groß, Christoph Pick, Michel Müller kamen dazu und dann auch aus Üxheim und Ahütte Matthias Schneider, die Gebrüder Schleich und Peter Thelen.

Die Proben fanden in grösseren Küchen und in der Schusterwerkstatt von Josef Meier statt. Ausser bei kirchlichen Anlässen spielte die Kapelle bald auch bei weltlichen Festen und Hochzeitsfeiern innerhalb der Pfarrei und auf Nachbarorten. So wurden die 20er und 30er Jahre für Leudersdorf eine musikfreudige Zeit, in der die Aktiven auch von der Bevölkerung begeistert unterstützt wurden. Gegen Ende der 30er Jahre schloss sich die Blaskapelle dann der Feuerwehr an und nannte sich dann Feuerwehrkapelle Leudersdorf.

Der zweite Weltkrieg setzte dem Aufschwung und der Musikbegeisterung ein jähes Ende. Die meisten jungen Männer waren zur Wehrmacht eingezogen und den Zuhausegebliebenen stand der Kopf wenig nach musizieren.

Aber die Liebe zur Musik war damit nicht ausgestorben und so griffen schon bald nach dem Krieg die ersten wieder zu ihren Instrumenten. So gestaltete man schon 1946 einen musikalischen Nachmittag in Leudersdorf zusammen mit dem Gesangverein Dorsel, spielte ein Ständchen anlässlich der Primiz von Robert Sesterheim und wirkte mit bei der Weihnachtsfeier der Schule.

Die wenigen alten Musiker aus der Gründerzeit, unter ihnen Nikolaus Nelles als Leiter, halfen anfangs noch tatkräftig mit, mussten aber nach und nach aus Altersgründen aufgeben. Ihre Söhne und andere junge Männer traten an ihre Stelle. Die Kapelle erlebte einen neuen Aufschwung. Man spielte anlässlich kirchlicher Feiern, Familien-, Sport-, Schützen- und Sängerfesten, bei Martinszügen und Theaterabenden.

Einem Aufschwung folgt nicht selten auch wieder ein Abschwung. So schmolz auch unsere Kapelle Mitte der 60er Jahre aus den verschiedensten Gründen bis auf ein Häuflein von 10 Aufrechten zusammen. Da nahm der Vollblutmusiker Dionysius Klein glücklicherweise seinen Altersruhesitz in seinem Heimatort. Neue Mitglieder wurden geworben, Klein übernahm ihre Ausbildung, er dirigierte, war aktiver Posaunist bis 1971 und führte Robert Kaster in die Geheimnisse des Dirigierens ein. Aus der Kapelle wurde ein Verein, der alte Schulsaal wurde Proberaum, ab 1982 der Saal des Bürgerhauses. Die ersten jungen Damen fanden Aufnahme, die Jugendarbeit begann. Josef Hermes wurde sein engagierter Vorsitzender und blieb es über 20 Jahre lang.

Seither hat sich der Verein unter Leitung von Robert Kaster und seit einigen Jahren unter Winfried Schegner ein umfangreiches und anspruchsvolles Repertoire erarbeitet, das altes und modernes Musikgut, einheimische und ausländische Kompositionen von Marsch und Polka bis Operette und Musical umfasst, und das bei den verschiedensten Anlässen im Laufe des Jahres in einer Vielzahl von Auftritten in der näheren und weiteren Umgebung dargeboten wird, und das zuvor in ungefähr 70 Proben erarbeitet und verbessert wurde. Mitwirkungen bei den Rosenmontagszügen in Köln und seit Jahren ständig in Andernach, Auftritte bei der Bundesgartenschau in Bonn, bei Schützenfesten in Bonn und Köln sollen hier nur beispielhaft erwähnt werden. Höhepunkte waren 1978 auch die Mitwirkung bei der Schallplattenaufnahme „Klingendes Eifelland“, bei der Südwestfunk-Sendung „Treffpunkt Ü-Wagen“ und 1988 bei der Schalplattenproduktion „Musikalische Grüsse aus dem Landkreis Daun“

Musikfeste 1975 (mit erstmaligem Auftreten in neuer einheitlicher Uniform), 1977 und 1982 unter Mitwirkung etlicher benachbarter Vereine verdienen besondere Erwähnung. Seit 1984 wird alljährlich ein Frühlingsfest im Bürgerhaus Leudersdorf mit gutem Erfolg veranstaltet, bei dessen Konzertabend die in den Wintermonaten erarbeiteten neuen Konzertstücke ihre Premiere erfahren. Dabei würden sich Orchester und Dirigenten allerdings über etwas mehr Beteiligung, Zuspruch und Anerkennung aus der Bevölkerung freuen, ist es doch zwischenzeitlich geradezu zur Selbstverständlichkeit geworden, dass der Verein bei Veranstaltungen für die Allgemeinheit, bei kirchlichen Feiern, am Weißen Sonntag, Fronleichnam, und Weihnachten, bei den dörflichen Festen, bei Senioren und Kindern auftritt und bei Ehe- und Altersjubilaren mit einem Ständchen gerne seine Aufwartung macht.

Zur Förderung von Geselligkeit und Kameradschaft – das ist bei einem Verein mit älteren und ganz jungen Mitgliedern beiderlei Geschlechts und mit sehr unterschiedlichen Interessen besonders wichtig – hat der Verein neben vereinsinternen kleinen Feiern und Wandernachmittagen bisher auch eine Reihe schöner Ausflüge und Mehrtagsreisen ins In- und Ausland unternommen. Unvergessen ist dabei vor allem eine Reise aus dem Jahre 1993, zu der das Ehrenmitglied Dr. Carnessali mit seiner Frau den Verein zusammen mit den Musikfreunden aus Berndorf für eine Woche in seine norditalienische Heimat eingeladen hatte.

Neben einer Reihe inaktiver Mitglieder zählt der Verein derzeit 26 aktive Musiker, die über 18 Jahre alt sind und 16 Aktive unter 18 Jahren. Dazu befinden sich 8 Jugendliche, die aber schon bald das Orchester verstärken werden, noch in Ausbildung.

Die Struktur eines Musikvereins bringt es mit sich, dass Aktive immer wieder aus familiären, beruflichen oder sonstigen Gründen ausscheiden müssen. Der ständigen Neugewinnung und Ausbildung jugendlicher Musikanten kommt deshalb besondere Bedeutung zu. Hier verdient die langjährige Nachwuchsarbeit des Dirigenten Robert Kaster besonderes Lob. Inzwischen greifen ihm Winfried Schegner und vor allem Brigitte Pick kräftig unter die Arme. Sie bilden alljährlich ein eigenes kleines Orchester mit Jungmusikern heran, welches vor allem bei eigenen Auftritten in der Advents- und Weihnachtszeit immer wieder viel Anerkennung und Beifall findet. Bei derartigem Engagement der Ausbilder und Aktiven braucht man um die Zukunft des Musikvereins trotz mancher Einflüsse noch nicht besorgt zu sein. Man darf vielmehr hoffen, dass der Musikverein Leudersdorf (seit 1996 wieder in neuen Uniformen von der Gönnerfamilie Carnessali) auch künftig seinen Mitbürgern bei den verschiedensten Gelegenheiten Freude und Unterhaltung bietet.

Vorsitzender: Thomas Heintz